PRESSEAUSZÜGE

Großflächig, bunt und lebendig

Ausschnitt aus dem Gelben Blatt Penzberg, 8.12.1998

Die Vielschichtigkeit ihres Lebenslaufes und die gründliche Ausbildung in unterschiedlichen Disziplinen lassen schon erahnen, daß Sophie Rank sich nicht mit Banalem zufrieden gibt. Ihre Werke seien von der spanischen Malerei stark beeinflußt worden, betont Sophie Rank. Beispielsweise sei die Figur des „Liegenden“, die in einigen Bildern aus dem Jahr 1995 zu entdecken ist , von einem spanischen Maler des 16. Jahrhunderts „entliehen“ und wird abgewandelt immer wieder verwendet. In den darauffolgenden Jahren, so lassen die Bilder erkennen, verschwindet das Figürliche jedoch völlig hinter Struktur und Farbe. Aber was für Farben! Gar nicht satt sehen kann sich der Betrachter an den leuchtenden Farbfestivals in Blau oder Grün, wie sie sich sonst nur unter südlicher Sonne finden lassen. ….Das einfallende Licht wird zum wichtigen Gestaltungsmedium , das die den Werken innewohnende Plastizität lebendig werden läßt. „Die Bilder erschließen sich nicht sofort, sie verlangen Zeit“ befand der Architekt Peter Pfab, der bei der Vernissage einleitend über Künstlerin und Werk referierte. Wer sich aber die Zeit nimmt und sich mit Sophie Ranks „Kunststücken“ auseinandersetzt, dessen Phantasie kann von der kraftvollen Dichte der Farbstrukturen angenehmst beflügelt werden.

____________________________________________________________________________________________

Bild-Topographien
Die Malerin Sophie Rank stellt in Penzberg aus

Feuilleton der Süddeutschen Zeitung, 7.12.1998

Die in München geborene und lebende Malerin, die lange Zeit ihres Lebens in Italien und vor allem in Spanien verbracht hat und seit nunmehr 15 Jahren mit zahlreichen Ausstellungen hervorgetreten ist, von München bis Madrid, von Bad Tölz bis Worpswede, hat im Laufe der neunziger Jahre ganz eigene, ebenso wortkarge wie sinnfällige, malerische Ausdruckformen entwickelt. Ihre Bilder sind abstrakt. Sie zeigen nichts, nur sich selbst. Das wäre an sich heutzutage nichts besonderes. Was die Arbeiten der Sophie Rank so bemerkenswert macht, ist das Verhältnis von Farbe und Bildträger. Die traditionelle Konstellation- ein neutraler Untergrund wird durch Farbe gestaltet und eben dadurch zum „Bild“-. Ist bei Sophie Rank mit bemerkenswerter, insistierender Konsequenz ins Gegenteil verkehrt

Bei ihr ist nämlich der Malgrund das Eigentliche, und die Farbigkeit der Bilder ist in der Regel stark reduziert, da gibt es Arbeiten in schwarz und schwarzweiß, in blau, grün, gelb. Das eigentlich Prägende liegt gewissermaßen in der Schicht darunter. Es entsteht meist schon vor dem Malvorgang, oder es begleitet diesen. So bearbeitet Sophie Rank die Leinwand zunächst mit verschiedensten Materialien. Mit Sand, mineralischen Stoffen, Pflanzenteilen, Silberfolie, Papier, Textilien etc. Dadurch entstehen unterschiedlichste Strukturen, seidig glatt oder reliefhaft rauh, quasi geometrisch wie aus dem Raster oder regellos wuchernd.

Diese Bildtopographien werden zum Träger der Farbe, und sie sind es, die der Farbe erst ihre ästhetische Qualität, ihre Lebendigkeit, ihre fein differenzierten Schattierungen verleihen. In diese besonderen Konstellationen im Zusammenspiel von Farbe, Oberfläche und Untergrund ,die ein wenig an Antoni Tapies oder Yves Klein denken lassen, setzt Sophie Rank als drittes Element gewissermaßen ihr persönliches künstlerisches Zeichen, das entfernt an ein griechisches Gamma, oder auch ein Theta erinnert, eine dynamische , sehr organisch wirkende Form, die immer wieder auftaucht- stets in ähnlicher , aber niemals in genau gleicher Gestalt. Auch hier also der ständige, fast unmerkliche Wandel eines prägenden Grundgedankens- vielleicht eine Chiffre für Bewegung, Wachstum, Leben?

Es gibt keine Bildtitel. Sophie Rank überläßt die Deutung dem Betrachter. Es geht ihr, über die unbestreitbare und ebenso wandelbare wie fein differenzierte ästhetische Wirkung ihrer Arbeiten hinaus nicht zuletzt auch um Anstöße zum Nachdenken, zur Bild-Meditation; und es geht ihr um den genauen, ruhigen Blick, der das Ganze im Auge hat, aber gleichzeitig die kleinen Unterschiede wahrnimmt, die sukzessive von Bild zu Bild sich wandelnden Formen, Farben und Charaktere. In den Räumen des MDK Penzberg ist nun Gelegenheit die Wahrnehmung zu schärfen. Andreas Heider

____________________________________________________________________________________________

Zu der neuen Serie: Insistiendo

Wolfgang Böhmer, Juni 1998, anläßlich der Vernissage in der Vereinsbank München

In der Serie findet eine Reduktion auf ein Urzeichen statt, eine liegende Acht der Unendlichkeit, Zeichen für das widerstehende, widerständige Leben. Es ist ein Wechsel der Strukturen und Materialien zu beobachten, das Zeichen jedoch bleibt: – Die Erscheinungsformen, bzw. Situationen ändern sich, das Leben / bzw. die Identität bleibt, wenn auch oft fast unkenntlich durchschimmernd.

Große Bescheidenheit im künstlerischen Gestus. Künstler, Handwerker und Mensch sind dicht beieinander. Man stellt die Abwesenheit machistischer, pathetischer Kraftmeierei fest.

Die Malerin arbeitet nach dem, auch in der Musik häufigen, Prinzip der Variation. „Die Variationen sind das Thema selbst“.

____________________________________________________________________________________________

Sophie Rank im ZDF Sendezentrum

Ausschnitt aus der Allgemeinen Zeitung Mainz, 16.11.1994

fu- Sophie Ranks Bilder, die im Sendezentrum des ZDF ausgestellt werden, fesseln vor allem durch ihre Farben. Ihr „Divertimento „, dessen horizontale Teilung auffällt, stellt im oberen Teil die Oberkörper von Menschen dar, deren untere Hälfte sich im auch farblich abgesetzten Bildteil sozusagen unter der Gürtellinie fortsetzt. Während im oberen Teil die blauen Körperkonturen wie hinter einer verwischten grünen Glasscheibe durchschimmern, verstecken sich die Unterkörper in kaum mehr erkennbarem Blau hinter einer orangefarbenen Farbpigmentschicht, die aus gesprühten Punkten zu bestehen scheint.

Schemenhaft und undeutlich auch die „Escalera humana“, eine „menschliche Treppe“. deren Kobaltblau die Blicke anzieht, bevor die über und nebeneinander stehenden Körper entdeckt, die auch in liegender, gebeugter oder gebückter Position festgehalten sind. Wie in einer filmischen Momentaufnahme entsteht der Eindruck von plötzlichem Stillstand mitten in der Bewegung. Die Masse Mensch, aufgelöst in verlorenen Individuen und dann wieder dem Strom der Menge folgend und darin auch untergehend- diese Thematik wird in „Züge“ noch in anderer Variante aufgegriffen. In wellenförmigen Bewegungen scheint sich ein Menschenstrom auf der Flucht durch eine rote Wüste zu bewegen, die an eine von Feuer versengte Landschaft erinnert. Das darunter liegende milde Grün, das schwach durchschimmert, vermag den Eindruck von Hoffnung im Chaos nicht ausreichend zu nähren-

So läßt die in München geborene Künstlerin, die seit 1986 in Madrid lebt, in ihren abstrakten Arbeiten viel Freiraum für eigene Phantasien

____________________________________________________________________________________________

 

Menschen sind ein Leitmotiv dieser Ausstellung

Ausschnitt aus der Eröffnungsrede von Prof. Dr. H.c. Dieter Stolte, Intendant des ZDF. anlässlich der Ausstellung im ZDF Sendezentrum, November 1994

…Fernsehen als Kommunikationsmedium ist keine „Einbahnstraße“- wie ein Bild dieser Ausstellung betitelt ist,- es ist kein Monolog vom Sender zum Empfänger, sondern sollte- so das Titelbild auf Ihrer Einladung – ein „Dialog“ sein.

Was könnte an einem Bild dialogisch ansprechen, da auf den ersten Blick als eine einzige blaue Farbfläche erscheint? Eine Antwort kann das Original in der Ausstellung geben: Aus der Nähe zeigt die Farbfläche zahlreiche Tupfer, aufgespachtelte Strukturen und archaisch eingeritzte Zeichen., Bei noch genauerem Hinsehen entpuppen sie sich als Figuren, als schemenhafte Menschen, die gleichsam menetekelhaft an die Wand gemalt sind.

So zeigt das zweiteilige Bild „Dialog“ in der unteren Hälfte dynamisch bewegte, offenbar ringende Menschen und im aufgesetzten oberen Teil statische Menschensymbole, man könnte fast sagen>: leblose Strichmännchen – eine Dialog von Bewegung und Ruhe.

Eines der größten Bilder der Ausstellung , die „Herausforderung“ wirkt von weitem wie eine einzige weiße Farbfläche, die ähnlich aufgebaut ist, diesmal aber in drei Teilen: unten erhöht aufgespachtelte , frei agierende Menschenkörper, darüber eine in ‘Trauer erstarrte Menschenmauer in schwarzen Umrissen und oben leichte vertiefte ,verflüchtigte Schemen dieser Gruppe.

Überhaupt sind Menschen ein Leitmotiv dieser Ausstellung – Allerdings sind es keine individuell identifizierbaren Personen…., sondern es sind Menschengruppen, fast könnte man sagen_ Menschenmassen, die sich auf den Bildern nach oben hin verflüchtigen. Es sind „die im Dunkeln“, die man – nach Berholt Brecht“ – gewöhnlich nicht sieht.

Ich sehe hier eine Parallele zu dem Menschenbild, das unseren derzeitigen Medienmarkt kennzeichnet: Der einzelne Mensch und die Gesellschaft insgesamt verschwinden meist hinter dem fragwürdigen obersten Marktwert der Einschaltquote – der Mensch reduziert zur abstrakten Zahl, zum bloßen Pinselstrich; und der abstrakte Pinselstrich als Anklage gegen diese Reduzierung…..